Höfken: „Bäuerliche Betriebe leisten wichtigen Beitrag zur Artenvielfalt“

Zehn Jahre Partnerbetriebe Naturschutz: 275 Höfe setzen sich aktiv für mehr Naturschutz ein – Netzwerk wird immer größer.

„Landwirte und Winzer gestalten die Kulturlandschaft und damit auch die Lebensräume von wildlebenden Tieren und Pflanzen. Daher freue ich mich, dass unser Netzwerk an Partnerbetrieben Naturschutz stetig wächst und sich immer mehr Höfe für die Artenvielfalt einsetzen“, sagt Umweltministerin Ulrike Höfken am heutigen Dienstag. Das Netzwerk „Partnerbetrieb Naturschutz“ besteht seit zehn Jahren, alle zwei Jahre können sich Höfe um eine Aufnahme bewerben. 2019 wurden 113 Betriebe in die Beratung aufgenommen – von Weinbaugütern über viehhaltende und Gartenbaubetriebe. 24 davon haben den Prozess bereits erfolgreich durchlaufen. Eine Feier mit Urkundenüberreichung dazu musste leider coronabedingt abgesagt werden.

Die Partnerbetriebe Naturschutz erhalten betriebsbezogen eine kostenlose Beratung durch Fachberaterinnen und Fachberater des Naturschutzes und der Landwirtschaft, was sie konkret an ihrem Betrieb für den Erhalt der Biodiversität tun können: Etwa, inwiefern sie an ihrem Standort dazu beitragen können, dass es mehr Insekten gibt, dass mehr Schwalben brüten oder dass gefährdete Nutztierrassen vermarktet – und damit erhalten werden.

Insekten wie Schmetterlinge und Bienen finden beispielweise mehr Nektar und Pollen, wenn erst nach dem Blühzeitpunkt gemäht wird, Vögel können geschützt brüten, wenn man einen Streifen mit Altgras stehen lässt oder sogenannte „Lerchenfenster“ anlegt. Das sind Bereiche auf Grün- oder Ackerland, die bodenbrütenden Vögeln wichtige Lebensraumstrukturen bieten. Ohne sie hätten sie keine Chance, ihre Brut erfolgreich abzuschließen. Pflanzen und Tiere profitieren außerdem davon, wenn weniger gedüngt und auf chemisch-synthetische Pestizide verzichtet wird. Andere halten schwer begehbare Gebiete offen oder stellen teils zugewachsene Bachtäler wieder frei und leisten damit einen unschätzbaren Beitrag für die Förderung der regionalen Artenvielfalt.

Umweltministerin Höfken sagt: „Naturschutz ist eine gesellschaftliche Leistung und nicht umsonst zu haben. Auch die rheinland-pfälzischen Landwirtschaftsbetriebe stehen nicht nur europaweit, sondern weltweit im Wettbewerb und müssen für sich und ihre Familien ein auskömmliches Einkommen erwirtschaften. Bei einer naturschutzorientierten Beratung werden daher ökologische und ökonomische Aspekte beachtet.“ So haben einige der Betriebe den Naturschutz als Vermarktungsstrategie entdeckt und überzeugen ihre Kundinnen und Kunden etwa durch Beweidungsprojekte.

Höfken freut sich, dass die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber für das Beratungsangebot immer weiter zunimmt und dankt allen Akteuren, insbesondere jedoch den Betrieben, der Beratung sowie dem Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinhessen-Nahe-Hunsrück, wo die Koordinierungsstelle für den Partnerbetrieb Naturschutz angesiedelt ist, für den engagierten Einsatz.

Hintergrund: Partnerbetrieb Naturschutz
Mit 16 Modellbetrieben wurden von 2007 bis 2009 in einem Modellprojekt die Leitlinien für ein gesamtbetriebliches Naturschutz-Beratungsangebot erarbeitet, bevor es dann im Jahr 2010 mit dem ersten Bewerbungsverfahren „in Serie“ gehen konnte. Seitdem fanden fünf Bewerbungsverfahren statt, aus denen insgesamt rund 430 Betriebe die Beratung durchlaufen haben. Allein im Bewerbungsverfahren 2019 konnten 113 Betriebe aufgenommen werden.

Die Anerkennung zum „Partnerbetrieb Naturschutz Rheinland-Pfalz“ erfolgt auf der Grundlage einer Zielvereinbarung zur Umsetzung von Naturschutzzielen im Betrieb Bis gestern konnten 236 Betriebe anerkannt werden, mit dem heutigen Tage kommen 24 weitere dazu. Bei einigen steht der Prozess zur Anerkennung wegen der besonderen Umstände in diesem Jahr noch vor dem Abschluss, so dass es bald über 300 Betriebe sein werden, die dem betrieblichen Naturschutz ein individuelles Gesicht geben.

Weitere Infos: www.partnerbetrieb-naturschutz.rlp.de