Höfken: „EU muss ehrgeiziges Vorbild für neue Biodiversitätskonvention sein“

Artenschutz braucht Wiederherstellung natürlicher Lebensräume und rasche Umstellung auf eine klimafreundliche Kreislaufwirtschaft / EU-Biodiversitätsstrategie zum Tag der biologischen Vielfalt vorgestellt

„Die EU braucht eine ambitionierte Biodiversitätsstrategie 2030, um als Vorreiterin in die Verhandlungen für ein neues, weltweites Abkommen zum Schutz der Artenvielfalt zu gehen und bereits vor der COP15 ehrgeizige Ziele auf europäischer Ebene zu vereinbaren. Die Coronakrise hat deutlich gezeigt, dass der Schutz der biologischen Vielfalt kein Nischenthema ist, sondern unsere Lebensgrundlage vor der Zerstörung bewahrt. Dazu brauchen wir den Beitrag aller Sektoren und müssen den Schutz der Artenvielfalt in allen Bereichen verankern“, sagt Umweltministerin Ulrike Höfken zum Vorschlag der Kommission für eine neue Biodiversitätsstrategie und eine Strategie „vom Hof auf den Tisch“ für eine nachhaltige Lebensmittelkette. 

„Mit dem Ausbau des ökologischen Landbaus fördern wir eine boden- und gewässerschonende Landbewirtschaftung. Ich freue mich, dass die Kommission diesen Ansatz verstärken und europaweit bis 2030 ein Viertel der Anbaufläche biologisch bewirtschaften möchte - besser noch wären 30 Prozent. Die Halbierung des Einsatzes und Risikos von Pestiziden, Antibiotika in der Tierhaltung sowie des Nährstoffverlustes von Böden in der Landwirtschaft ist überfällig. Ebenso notwendig ist es, chemisch-synthetische Düngemittel zu reduzieren. Dies muss sich bereits in der nächsten GAP in europaweit einheitlich höheren Umweltanforderungen und dem Erhalt sowie der Wiederherstellung von Ökosystemen wie Wäldern und Feuchtgebieten widerspiegeln“, so die Ministerin weiter. Die EU habe laut Höfken durch die Größe ihres Binnenmarkts zudem die Möglichkeit, mit einer Green Deal Diplomacy weltweit höhere Umweltstandards zu fördern.

Forstministerin Höfken nimmt besonders den Schutz der Wälder als Kohlenstoffspeicher in den Blick: „Die EU muss mit ihrer Handelspolitik gegen Entwaldung weltweit vorgehen. Aber auch innerhalb der EU müssen wir den Green Deal zum Schutz der Arten rasch umsetzen und unsere Gesellschaft auf eine ressourcenschonende und klimafreundliche Kreislaufwirtschaft umstellen und Schadstoffe insgesamt - auch zum Schutz der menschlichen Gesundheit – durch verträgliche Inhaltsstoffe ersetzen.“

Artenschutz in Rheinland-Pfalz – Dank an alle Aktiven

Der Schutz der Biodiversität brauche nicht nur internationale Vereinbarungen, sondern auch tatkräftige Unterstützung vor Ort, betont Ministerin Höfken: „Ich danke allen Ehrenamtlichen und im Umweltschutz engagierten Bürgerinnen und Bürgern, Landwirtinnen und Landwirten sowie Kommunen für ihren Beitrag für mehr Stadtgrün und naturbelassene Flächen.“ Mit der Aktion Grün unterstützt das Land Rheinland-Pfalz bereits seit 2017 den Erhalt von Lebensräumen, Pflanzen- und Tierarten sowie mit der Aktion Blau Plus die Wiederherstellung naturnaher Gewässer.

Hintergrund: Biodiversitätskonvention, Artensterben und Pandemien

Der Internationale Tag für die biologische Vielfalt erinnert an die offizielle Annahme des Übereinkommens über die biologische Vielfalt am 22. Mai 1992. Das Artensterben ist heute laut Weltbiodiversitätsrat (IPBES) mindestens zehn- bis einhundertmal höher als im Durchschnitt der letzten zehn Millionen Jahre. Vom Tier auf den Menschen übertragene Zoonosen wie das Coronavirus (SARS-CoV-2) zeigen die Bedeutung eines ganzheitlichen Gesundheitsschutzes von Mensch, Tier und Umwelt.

Die Europäische Kommission hat im Dezember 2019 den Europäischen Grünen Deal, ihren Fahrplan für eine nachhaltige EU-Wirtschaft, vorgestellt. Die EU-Strategien zu Biodiversität und "vom Hof auf den Tisch" werden als maßgebliche Säulen des Grünen Deals die geplanten politischen Maßnahmen und Zielsetzungen in den Bereichen Artenvielfalt und Landwirtschafts- und Ernährungspolitik vorgeben.

Hier finden Sie die neue EU-Biodiversitätsstrategie https://ec.europa.eu/environment/nature/biodiversity/strategy/index_en.htm