Höfken: „Aktuelle Daten belegen: Rheinland-Pfalz ist stärker vom Klimawandel betroffen als andere Regionen in Deutschland“

Jahresdurchschnittstemperatur für Rheinland-Pfalz seit Ende des 19. Jahrhunderts um 1,5 Grad gestiegen / Häufigere und intensivere Hitzewellen

„Der Klimawandel ist Realität und auch bereits in Rheinland-Pfalz deutlich spürbar. Aktuelle Datenreihen zeigen: Die Jahresdurchschnittstemperatur für Rheinland-Pfalz ist seit Ende des 19. Jahrhunderts bis heute um 1,5  Grad Celsius angestiegen – in ganz Deutschland um durchschnittlich 1,4  Grad Celsius. Damit zählt unser Bundesland zu den Regionen in Deutschland, in denen der Anstieg überdurchschnittlich stark ausfällt“, sagte Umweltministerin Ulrike Höfken heute anlässlich der Veröffentlichung des Themenhefts Klimawandel. Darin zeigen das Kompetenzzentrum für Klimawandelfolgen und das Landesamt für Umwelt Klimaentwicklungen von 1881 bis heute auf.

Durchschnittlich 20 Sommertage mehr als im Jahr 1951

Die Anzahl der Sommertage, an denen mindestens 25° Grad Celsius erreicht werden, ist seit 1951 um rund 20 Tage pro Jahr angestiegen – wohingegen die Frosttage im gleichen Umfang abgenommen haben. Im landesweiten Mittel gibt es etwa 40 Sommertage pro Jahr, jedoch existieren große regionale Unterschiede: Im Oberrheingraben sind es sogar bereits heute circa 60 Sommertage. „Hitzewellen wie in diesem Sommer treten in unserem Bundesland zunehmend häufiger auf und sind oftmals auch intensiver als in der Vergangenheit. So konnten wir in Trier in diesem Sommer mit 28 Tagen die längste seit 1955 beobachtete Hitzewelle verzeichnen. Insgesamt waren in diesem Sommer knapp 30 Prozent der Landesfläche und mehr als die Hälfte der Bevölkerung von Hitze betroffen“, erläuterte Höfken.

Längere Vegetationszeiten und Trockenperioden im Sommer

Aber nicht nur die Temperatur steigt an, sondern auch die Niederschlagsmenge: Sie hat seit Ende des 19. Jahrhunderts ganzjährig um rund zehn Prozent zugenommen. „Eine deutliche Zunahme der Niederschläge um etwa 30 Prozent ist vor allem im Winter zu verzeichnen“, sagte Dr. Stefan Hill, Präsident des Landesamtes für Umwelt. Im Frühjahr beträgt die Zunahme rund 15 Prozent. Aktuelle Forschungsergebnisse deuten auf intensivere Starkregenereignisse bei höheren Temperaturen hin, wie sie in diesem Jahr oder in 2016 beobachtet wurden. Und auch in der Natur lassen sich die Auswirkungen des Klimawandels direkt beobachten. „So setzt die Vegetationsperiode in Rheinland-Pfalz je nach Region um ein bis zwei Wochen früher ein und dauert auch entsprechend länger an. Das heißt jedoch nicht, dass die Landwirtschaft davon nur profitiert: Gerade die Trockenheit im Sommer dieses Jahres hat teilweise zu dramatischen Ernteausfällen geführt. Dies sind alles Indizien für den menschengemachten Klimawandel, der bei uns in Rheinland-Pfalz immer deutlicher nachvollziehbar ist“, führte Dr. Ulrich Matthes an, Leiter des Rheinland-Pfalz Kompetenzzentrum für Klimawandelfolgen.

Klimaschutzziele nur mit Kohleausstieg erreichbar

„Die zusammengeführten Daten für Rheinland-Pfalz sind alarmierend und zeigen, dass wir unsere Klimaschutzmaßnahmen konsequent weiterführen müssen – auf Bundes-, Landes- und regionaler Ebene. So werden wir im Frühjahr 2019 den Schwerpunkt auf die Themen Klimaschutz und Energiewende legen und hier konkretes Engagement und Aktivitäten auf den verschiedenen Handlungsebenen vorstellen. Mit unserem Klimaschutzgesetz und unserem Klimaschutzkonzept haben wir unser Klimaschutzziel fest im Blick: Wir arbeiten für ein klimaneutrales Rheinland-Pfalz bis 2050. So konnten wir die Treibhausgasemissionen bereits um 37 Prozent im Vergleich zu 1990 senken. Damit ist unser 40-Prozent-Ziel bis 2020 für Rheinland-Pfalz in greifbarer Nähe. Unsere internationalen und nationalen Klimaschutzziele können wir jedoch nur gemeinsam erreichen, wenn endlich der Kohleausstieg eingeleitet wird“, erklärte die Umweltministerin auch im Hinblick auf die große Demonstration gegen die Wald- und Naturzerstörung für den klimaschädigenden Braunkohle-Abbau am Wochenende im Hambacher Forst. Klar sei: Die Zeit dränge. Beim Thema Klimaschutz sei es fünf vor zwölf, die aktuellen Warnungen des Weltklimarates müssten politisch umgesetzt werden, forderte Höfken abschließend.

Weitere Informationen:

Weitere Informationen enthält das Klimawandelinformationssystem Rheinland-Pfalz unter: www.kwis-rlp.de