Höfken betont Bedeutung der Publikationsreihe „Vogelwelt in Rheinland-Pfalz“

„Der Schutz und der Erhalt der Biodiversität ist mir ein wichtiges Anliegen. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass unsere Artenvielfalt gefährdet ist. Umso mehr freue ich mich über die Veröffentlichung der großen Reihe ,Die Vogelwelt von Rheinland-Pfalz‘, die die Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie Rheinland-Pfalz (GNOR) heute offiziell mit dem vierten und letzten Teil abschließt“, sagte Umweltministerin Ulrike Höfken bei einer Veranstaltung der GNOR.

„Bereits alle anderen drei Bände sind äußerst anerkannte Nachschlagewerke zu den heimischen Vogelarten – ob Entenvögel, Greifvögel, Eulenarten oder Klima, Geologie und Landnutzung. Dazu gratuliere ich sehr herzlich!“, so Höfken. Der vierte Band widmet sich den Singvögeln in Rheinland-Pfalz.

Land will Vogelmonitoring aufbauen und etablieren

Die Veröffentlichungen der GNOR leisten einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung über den Zustand der heimischen Vogelwelt. Es ist darin nachzulesen, wie vielfältig die heimischen Arten sind und wie es ihnen geht. Daher ist diese Bestandserhebung der Vogelwelt in Rheinland-Pfalz eine wichtige Grundlage für Maßnahmen des Artenschutzes und des Naturschutzes. „Wir wollen das Wissen über unsere Fauna ausbauen, denn nur so können wir Schutzmaßnahmen gezielt umsetzen. Und dass wir hier aktiv sein müssen, zeigt der beunruhigende Rückgang: In Rheinland-Pfalz sind schätzungsweise 50 Prozent der Brutvogelarten gefährdet.“ Für einen nachhaltigen Schutz der Artenvielfalt ist ein stärkeres Engagement für die Vogelwelt und ein gründliches Monitoring mit bundesweiten Standards dringend notwendig: „Daher möchten wir ein Vogelmonitoring aufbauen und etablieren. Das Projekt findet in enger Abstimmung mit der GNOR statt, schreitet in großen Schritten voran und soll vom Umweltministerium mit 65.000 Euro finanziell unterstützt werden“, kündigte die Ministerin an.

„Aktion Grün“ – Maßnahmen für mehr Vielfalt

„Die Arbeit der GNOR wird durch die Aktion Grün des Umweltministeriums unterstützt“, betonte Höfken. „Die Förderung und den Erhalt der Artenvielfalt auf Äcker, Wiesen und Weiden. Dazu haben wir im vergangenen Jahr die „Aktion Grün“ gestartet, mit der auf ganz vielfältige Weise und vor allem ganz konkret und in ganz Rhein-land-Pfalz Projekte unterstützt werden, mit denen wir unsere Biodiversität erhalten. Dabei geht es nicht allein um ein paar Tier- und Pflanzenarten, sondern um die gesamte Vielfalt von Arten, Biotopen und Kulturlandschaften“, betonte die Umweltministerin. Die „Aktion Grün“ besteht aus neun Programmteilen, für die jährlich 2,5 Millionen Euro im Haushalt zur Verfügung stehen.

„Die Aktion Grün ist so vielfältig wie unsere Umwelt: Mit dem sogenannten Leitarten-Konzept stellen wir sicher, dass heimische Arten mehr Schutz genießen. Für das Braunkehlchen wollen wir eine Brutplatzprämie einrichten, die den Landwirten ausgezahlt wird, wenn sie das Brut- und Aufzuchtverhalten der Braunkehlchen auf ihren Flächen berücksichtigen“, erläuterte Höfken. „Zudem wollen wir unser Artenhilfsprogramm „Gefährdete Bodenbrüter“ ausbauen. Neben Wiesenweihe und Wachtelkönig, soll zukünftig der Kiebitz im Artenhilfsprogramm aufgenommen werden.“ 

Blühende Gärten und öffentliche Fläche

Im Rahmen eines Waldnaturschutzprogramms hat Rheinland-Pfalz zudem bundesweit erstmals Bewirtschaftungsplanungen für die Natura 2000-Gebiete in die forstliche Betriebsplanung integriert und gleichzeitig Anreize für die Waldbesitzer geschaffen. „Von sogenannten Auflichtungen profitieren nicht nur Ziegenmelker und das Haselhuhn, sondern auch andere Arten wie der Grauspecht oder die Bechsteinfledermaus“, sagte die Ministerin. Mit dem Programmteil  „Rheinland-Pfalz blüht“ werden wiederum Projekte gefördert, die öffentliche Grünflächen artenreich bepflanzen, so dass Bienen, Vögel und Schmetterlinge einen Lebensraum erhalten.

Über den Vertragsnaturschutz wird die Neuanlage und Pflege von Streuobstbeständen gefördert. Höfken: „Streuobstwiese sind wahre Hot-Spots der Biodiversität. Bis zu 3.000 Arten finden ihren Lebensraum in diesem vielfältigen Biotop. Darunter befinden sich allein in Rheinland-Pfalz über 400 seltene Arten wie zum Beispiel Steinkauz oder Wendehals.“ Sie verwies auf die große Rolle der ökologischen Landwirtschaft: „Der Verzicht auf chemischen Pflanzenschutz, insbesondere auf den Einsatz von Herbiziden, bietet günstige Voraussetzungen für die Etablierung von Ackerwildkräutern wie Klatschmohn und Kornblume, aber auch seltenere Arten wie Kornrade, Frauenspiegel oder Rittersporn“, so Höfken. „Sie stellen gleichzeitig wichtige Nahrungsgrundlagen für Wildinsekten dar.“

Um die vielfältigen Maßnahmen der Aktion Grün in die Fläche zu tragen und langfristig eine deutliche Verbesserung für die Artenvielfalt in Rheinland-Pfalz zu erreichen, ist das Land auf den ehrenamtlichen Naturschutz und die Erfahrungen vor Ort angewiesen: „Ohne die Partnerschaft und Unterstützung durch Verbände wie die GNOR sind viele Projekte im Natur- und Artenschutz nicht umzusetzen. Wir brauchen die Verbände als Projektträger, aber auch als kritische Begleiter und Berater“, betonte die Ministerin abschließend.