Höfken: Nachfrage nach Bio steigt weiter – mehr Öko-Züchtung ist unverzichtbar

Umweltministerin fordert auf der Biofach in Nürnberg bessere Rahmenbedingungen für die ökologische Pflanzenzüchtung, um wachsende Nachfrage nach Bio-Produkten zu bedienen.

„Die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln steigt erfreulicherweise von Jahr zu Jahr. Laut Ökobarometer 2018 kaufen mehr als 75 Prozent der Menschen in Deutschland Bio-Lebensmittel: davon 50 Prozent gelegentlich, 25 Prozent häufig. Um den wachsenden Bedarf weiterhin zu decken und die von Bundesministerin Julia Klöckner auf der Eröffnungsveranstaltung bekräftigen Bundesziele – 20 Prozent Ökolandbau bis 2030 – zu erreichen, muss die staatliche Forschungsförderung für die ökologische Züchtung deutlich verbessert werden“, erklärte Umweltministerin Ulrike Höfken heute in der Biofach-Gesprächsrunde „Mehr Bio, weniger Gentechnik“ des Bundesverbands Naturkost Naturwaren. Der Erhalt der genetischen Vielfalt sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, von der alle profitierten, so Höfken weiter. 

Das von Bio-Betrieben aktuell verwendete Saatgut stammt überwiegend aus konventioneller Züchtung. „Was wir brauchen ist Bio-Saatgut, das auf die Anforderungen des Öko-Landbaus ausgerichtet ist. Denn Bio-Landwirte setzen oftmals auf robuste, widerstands- und anpassungsfähige Sorten und Tiere sowie Grundfutter statt Soja, da sie keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel oder bestimmte Mineraldünger einsetzen. Bislang werden jedoch nicht einmal 1,5 Prozent der Forschungsmittel für diesen Bereich verwendet“, sagte Höfken und forderte mit Blick auf die Bundesregierung und EU: „Um die Öko-Landwirtschaft weiter zu unterstützen, brauchen wir bessere Rahmenbedingungen für die ökologische Pflanzenzüchtung auf nationaler und europäischer Ebene. Dazu zählen sowohl eine Öko-Züchtungsstrategie als auch eine gute finanzielle Ausstattung für die Forschung und Züchtung.“ 

Öko-Landbau: Pluspunkte bei Bodenfruchtbarkeit und Gewässerschutz 

Der Öko-Landbau bringt für den Umwelt- und Ressourcenschutz klare Vorteile. Durch die flächengebundene Tierhaltung und den Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel sowie mineralische Stickstoffdünger wirkt sich der Öko-Landbau zum Beispiel positiv auf die Gewässerqualität und Bodenfruchtbarkeit aus. Laut Thünen-Institut verringert die ökologische Bewirtschaftung die Stickstoffausträge um rund 28 Prozent. Die Biomasse der Regenwurmpopulation ist in ökologisch bewirtschafteten Äckern um etwa 94 Prozent höher. „Nicht nur die Umwelt hat etwas von der Öko-Landwirtschaft, sondern auch der Verbraucher. Denn Bio-Produkte enthalten weniger Schadstoffe. Ein Beispiel: Bei Obst- und Gemüseproben, die das Landesuntersuchungsamt Rheinland-Pfalz 2017 auf Pflanzenschutzmittelrückstände untersucht hat, konnten bei rund 55 Prozent der Proben aus konventioneller Erzeugung Pestizidrückstände nachgewiesen werden. Bei Obst und Gemüse aus ökologischer Erzeugung lag der Anteil an Proben mit quantifizierbaren Pestizidrückständen hingegen bei nur knapp acht Prozent“, erläuterte die Umweltministerin.

20 Prozent Bio für Rheinland-Pfalz

In Rheinland-Pfalz werden inzwischen knapp zehn Prozent der landwirtschaftlichen Fläche ökologisch bewirtschaftet. Innerhalb der letzten sieben Jahre kann das Land einen Zuwachs von 83 Prozent verzeichnen. „Mit dem Öko-Aktionsplan wollen wir 20 Prozent Ökolandbau in Rheinland-Pfalz erreichen und die Nachfrage nach Bio-Produkten stärker bedienen. So unterstützen wir Kita- und Schulträger etwa dabei, ihr Verpflegungsangebot nachhaltig auszurichten: auf 30 Prozent Bio-Anteil und 50 Prozent regionale Produkte“, führte Höfken abschließend an.

Weitere Informationen sind im Booklet „20 Prozent Bio für Rheinland-Pfalz“ abrufbar unter: mueef.rlp.de/fileadmin/mulewf/Publikationen/20_Prozent_BIO_fuer_Rheinland-Pfalz.pdf