Höfken: „Verbraucher-Verwirrung statt Transparenz und Klarheit“

Umweltministerin kritisiert staatliches Tierwohlkennzeichen von Bundesministerin Julia Klöckner

„Ein Tierwohllabel hat zwei Ziele: eine eindeutige, verständliche Kennzeichnung für die Verbraucher und eine Verbesserung der Haltungsbedingungen für Nutztiere. Beide Ziele werden vom Tierwohlkennzeichen, das Klöckner plant, verfehlt. Denn eine rein freiwillige Teilnahme an einer komplizierten Zertifizierung wird kaum ein Anreiz für Betriebe sein, über die bisherigen Mindeststandards in Sachen Tierwohl hinauszugehen“, kritisiert Umweltministerin Ulrike Höfken die Pläne von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner. „Insgesamt 13 verschiedene Kriterien in drei Stufen sieht der Bund für das staatliche Tierwohllabel vor: Ohne eine Bedienungsanleitung werden wir Verbraucher nicht verstehen, was hinter den Stufen genau steht“, so Höfken. Zudem habe der Handel gerade eine neue Tierwohlkennzeichnung mit großer Marktabdeckungsmöglichkeit eingeführt, weil Bundesministerin Klöckner so lange untätig war. „Der Bund sorgt für Verbraucher-Verwirrung und nicht für Transparenz und Klarheit.“ 

Tierwohl in Ställen muss ein Standard werden

„Noch dazu wirbt der Bund damit, dass das Label neben den Haltungsbedingungen auch die Schlachtung, den Transport oder auch die Ferkelkastration berücksichtigt. Das ist eine reine Mogelpackung: Wenn Klöckner etwas am Tierwohl liegt, dann muss sie stattdessen gute gesetzliche Standards für Tierwohl bei Transport, Schlachtung und Kastration einführen – ganz losgelöst von einem Label, das die Haltung kennzeichnen sollte.“ Höfken betont noch einmal, dass die bereits etablierte Kennzeichnung bei Eiern von den Verbraucherinnen und Verbrauchern angenommen wird und eine Haltungskennzeichnung für andere tierische Produkte von Schweine, Geflügel oder Rinder der bessere Weg sei. „Mit Klöckners Label wird die Chance vertan, eine einfache Haltungskennzeichnung als Steuerungsinstrument zum Wohle der Nutztiere, der Verbraucher und der Erzeuger einzuführen.“ Es sei enttäuschend, was der Bund nach Jahren nun vorgelegt habe.

Zusätzliche Belastung für Ökobetriebe

„Tierwohl in Ställen muss ein Standard werden: Dazu gehört mehr Auslauf, gentechnikfreies Futter und die sehr restriktive Verwendung von Antibiotika. Die Ökobetriebe leisten das heute schon. Das aber lässt das geplante, freiwillige Label von Bundesministerin Klöckner außen vor. Das vorgelegte Konzept belastet diejenigen Landwirtinnen und Landwirte zusätzlich, die bereits ohnehin schon hohe Tierwohl-Standards der Bio- und Ökolabel einhalten.“ Höfken weist darauf hin, dass eine Haltungskennzeichnung auch den Erzeugern in Rheinland-Pfalz einen Mehrwert bieten muss. „Die Verbraucher sind bereit, mehr zu bezahlen, wenn sie wissen, dass ein Schwein oder ein Rind mehr tiergerechte Haltung und Tierwohl erfahren hat. Das vorgeschlagene System vom Bund aber ist so kompliziert, dass die Hürde für die Betriebe, daran teilzunehmen, zu hoch ist.“ 
 

Überrascht zeigt sich Höfken über Klöckners Äußerungen, dass die Ferkelkastration nicht mehr ohne Betäubung durchgeführt werden solle: „Erst verschiebt der Bund das Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration um weitere zwei Jahre, um jetzt für ein Label zu werben, das eine Betäubung oder den Verzicht auf Kastration vorsieht.“ Für Ministerin Höfken ist daher klar: „Das staatliche Tierwohlkennzeichen wird den Verbraucherinnen und Verbraucher nicht helfen: Es ist schlichtweg kompliziert und ignoriert die bestehenden Initiativen des Einzelhandels sowie die Standards der Ökobetriebe.“