Höfken/Hubig/Wilhelm: „Jedes Kind in Rheinland-Pfalz soll ausgewogenes und gutes Mittagessen in Kita und Schule erhalten“

15 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland sind übergewichtig, sechs Prozent adipös: Gemeinsame Strategie für eine nachhaltige kind- und jugendgerechte Ernährung in Kita und Schule soll Trend entgegenwirken.

„Mit unserer Strategie für eine nachhaltige kind- und jugendgerechte Ernährung wollen wir die Ernährungsbildung in Kita und Schule stärken und mit verschiedenen Maßnahmen dazu beitragen, jedem Kind und Jugendlichen in Rheinland-Pfalz flächendeckend ein ausgewogenes Mittagessen zu ermöglichen“, erklärten Ernährungsministerin Ulrike Höfken, Bildungsministerin Dr. Stefanie Hubig und Gesundheitsstaatssekretär Dr. Alexander Wilhelm heute in Mainz. Diese Zielsetzung hat der Ministerrat am vergangenen Dienstag beschlossen. Denn es besteht Handlungsbedarf: Rund 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland sind übergewichtig, etwa sechs Prozent adipös. Bereits Kinder haben mit Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes Typ 2 oder Skeletterkrankungen zu kämpfen. „Um Übergewicht und ernährungsmitbedingten Begleit- und Folgekrankheiten im Kinder- und Jugendalter entgegenzuwirken, werden wir die verantwortlichen Träger der Kitas und Schulen dabei unterstützen, ihr Verpflegungsangebot an die Standards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) heranzuführen und stufenweise nachhaltig auszurichten“, führten Höfken, Hubig und Wilhelm an.
 
„Rheinland-Pfalz isst besser“ unterstützt Ernährungsbildung 

„Zur Zielerreichung bauen wir unter anderem auf unsere erfolgreiche und etablierte Ernährungsinitiative ‚Rheinland-Pfalz isst besser‘ auf. Mit dieser arbeiten wir bereits seit 2013 daran, die Ernährungsbildung und Gemeinschaftsverpflegung weiterzuentwickeln“, sagte Höfken. Mit Erfolg: Zum Beispiel nehmen bereits 146 Schulen und deren Träger am Qualifizierungsprozess Schulverpflegung teil. 113 Kitas beteiligen sich an der Qualifizierung zur Ernährungs-Kita oder am Kita-Coaching, um ihr Verpflegungsangebot schrittweise an die DGE-Standards anzupassen. Das EU-Schulprogramm, das die kostenlose Abgabe von Obst und Gemüse sowie verpflichtende Ernährungsbildung vorsieht, nehmen rund 90 Prozent der Grundschulen und etwa 80 Prozent der Kitas in Rheinland-Pfalz wahr. „Insgesamt umfasst die Initiative ‚Rheinland-Pfalz isst besser‘ bereits mehr als 20 Projekte. Diesen Erfolg werden wir konsequent weiterentwickeln“, betonte die Ernährungsministerin.

Gesund Essen lernen – Gemeinsames Qualitätsverständnis für gutes Essen an Kitas und Schulen

„Ganztagsangebote in Kita und Schule tragen zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf bei, dabei kommt dem guten und gesunden Essen und Trinken eine wichtige Bedeutung zu“, sagte Bildungsministern Dr. Stefanie Hubig. „Hier sind wir in Rheinland-Pfalz bereits auf einem sehr guten Weg, wie die Studie zur Qualität der Kita- und Schulverpflegung aus dem Jahr 2016 belegt. Auch was die Einhaltung der Qualitätsstandards für die Schulverpflegung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung angeht: Bereits 60 Prozent der Schulträger fordern die DGE-Standards von den Essensanbietern ein. Diesen Weg wollen wir weitergehen und ein gemeinsames Qualitätsverständnis entwickeln. Das kann nur in engem Dialog mit den Verantwortlichen und allen Beteiligten vor Ort erfolgen. Gute Erfahrungen gibt es bereits heute mit Runden Tischen, an denen neben den Trägern der Einrichtungen auch Erzieherinnen und Erzieher, Lehrkräfte, Ärztinnen und Ärzte sowie Kinder, Jugendliche und deren Eltern vertreten sind“, so Ernährungsministerin Höfken und Bildungsministerin Dr. Hubig. Eine gute Ernährung und eine gute Ernährungsbildung gingen dabei Hand in Hand, erklärten Höfken und Hubig weiter.

„Ernährungsbildung erfolgt nicht nur im Unterricht verschiedener Fächer oder in Projekten in Kitas und Schulen, sondern ebenso im alltäglichen Miteinander: So wird etwa beim gemeinsamen Essen der Geschmack gebildet und Esskultur erlebt. Die Richtlinie Verbraucherbildung, die derzeit neu gefasst wird, wird außerdem einen besonderen Schwerpunkt dahingehend setzen, dass Verpflegungskonzepte von Schulen und Trägern gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern und deren Eltern entwickelt werden, um gleichzeitig Ernährungskompetenz aufzubauen und die Akzeptanz des Mittagessens zu erhöhen“, sagte die Bildungsministerin.

Die Landesregierung unterstützt Kitas und Schulen bei der Umsetzung einerseits durch Beratung, etwa über die Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung. Andererseits leistet sie durch ein breites Angebot an pädagogischen Programmen und Fortbildungen Hilfestellung. Auch im Zuge der derzeit laufenden Novellierung des Kita-Gesetzes ist vorgeschlagen worden, das Angebot an Mittagessen auszuweiten. Bereits heute bieten rund 92 Prozent aller rheinland-pfälzischen Kitas ein Mittagessen an.

Umsetzung Präventionsgesetz: Minimierung von ernährungsmitbedingten Krankheiten

„Neben lebensnahen Projekten, brauchen wir nachhaltige Strukturen, um qualitätsgesicherte und langfristige Maßnahmen zur Gesundheitsförderung und Prävention auf den Weg zu bringen. Genau dieses Ziel verfolgen wir mit der Umsetzung des 2015 verabschiedeten Präventionsgesetzes. In Rheinland-Pfalz haben wir einen bundesweit einmaligen Handlungsrahmen geschaffen, der alle Verantwortlichen in unseren eigens eingerichteten Landespräventionsgremien regelmäßig zusammenbringt. Erstmals erarbeiten wir gemeinsame Strategien für ein gesünderes Leben in Rheinland-Pfalz. Insbesondere die Verbesserung der gesundheitlichen Chancengleichheit spielt dabei eine wichtige Rolle. Wir wollen die Zugänge zu gesundheitsfördernden und präventiven Maßnahmen eröffnen und erleichtern und die Verhältnisse, in denen unsere Kinder und Jugendlichen aufwachsen, das sind auch Kita und Schule, nachhaltig verändern. Dazu gehört ganz wesentlich eine gesunde und ausgewogene Ernährung“, sagte Gesundheitsstaatssekretär Dr. Wilhelm.

Unterstützung nachhaltiger Gemeinschaftsverpflegung

„Was wir täglich essen, wirkt sich nicht nur auf unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden aus, sondern auch auf die Umwelt und das Klima. So verursacht unsere Ernährung in Deutschland etwa 25 Prozent der klimaschädlichen Treibhausgas-Emissionen. Daher wollen wir die Voraussetzung dafür schaffen, dass das Verpflegungsangebot stufenweise nachhaltig ausgebaut werden kann: auf 30 Prozent Bio-Anteil und 50 Prozent regionale Produkte – das ist eine Umsetzung unseres Landes-Klimaschutzkonzeptes“, erläuterte Ernährungsministerin Höfken.

 Ein weiterer Aspekt der Nachhaltigkeit ist der Umgang mit Lebensmitteln: Jede Bürgerin und jeder Bürger wirft durchschnittlich rund 82 Kilogramm Lebensmittel im Jahr weg. Davon wären etwa 53 Kilogramm Lebensmittelabfälle vermeidbar. „Vor allem lässt sich mit einem nachhaltigen Umgang mit Lebensmitteln bares Geld sparen – jährlich rund 235 Euro pro Person – und in gute regionale und biologische Lebensmittel investieren. Wir werden daher Strategien zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung vermitteln und in die Ernährungsbildungsmaßnahmen integrieren“, führte Höfken an.

Gutes und ausgewogenes Essen hat seinen Preis 

Klar ist: Gutes Essen hat seinen Preis. Ein ausgewogenes Mittagessen in der Grundschule kostet durchschnittlich 3,30 Euro. Die Umstellung des Speiseplans nach DGE-Standard ist jedoch nicht unbedingt mit höheren Kosten verbunden. Je nach Gestaltung des Speiseplans fallen kostenintensive Komponenten teilweise weg. Außerdem zahle sich das Kochen mit günstigeren saisonalen Produkten aus, so Höfken, Hubig und Wilhelm. „Wir lassen die verantwortlichen Träger der Kitas und Schulen bei der Planung ihrer Verpflegung nicht alleine und stehen ihnen mit Informationen, Fördergeldern sowie Qualifizierungsangeboten durch die Ernährungsberatung Rheinland-Pfalz, die Volkshochschulen und die Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung beratend zur Seite. Zudem werden wir die Zusammenarbeit mit der Bundesregierung und den dazugehörigen Bundesprogrammen verstärken“, sagten Höfken, Hubig und Wilhelm abschließend. 

Zum Hintergrund:

Das Kabinett hat am 16. Oktober 2018 eine Strategie zur nachhaltigen kind- und jugendgerechten Ernährung in Kita und Schule beschlossen. Diese umfasst im Einzelnen Maßnahmen, die dazu beitragen: 

• Kindern und Jugendlichen flächendeckend ein gutes und ausgewogenes Mittagessen anzubieten – gemäß den Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (Verhältnisprävention),

• die strukturelle Verankerung der Ernährungsbildung kontinuierlich weiter zu entwickeln (Verhaltensprävention) und

• das Verpflegungsangebot stufenweise nachhaltig innerhalb des Klimaschutzkonzeptes auszurichten.

In Rheinland-Pfalz gibt es mittlerweile an rund 80 Prozent der Schulen (1187 Schulen) ein Ganztagesangebot. Die Kinder und Jugendlichen erhalten dort an mindestens vier Tagen ein Mittagessen.

 Aktuell bieten von 2.527 rheinland-pfälzischen Kindertagesstätten 2.331 ein Mittagessen an, an dem regelmäßig 92.710 Kinder (ohne Hortkinder) teilnehmen. Für 92 Prozent der Kitas ist das Mittagessen also Standard.