Höfken/Spiegel: Neue Nährwertkennzeichnung der Bundesregierung nicht akzeptabel

Neues Modell bietet keine Orientierung und wirft viele Fragen auf – Ministerinnen wollen schnelle Umsetzung nach Vorbild des Nutri-Score

„Das neue Modell zur Nährwertkennzeichnung der Bundesregierung stiftet mehr Verwirrung als Klarheit und ist daher nicht akzeptabel. Hier werden die Ziele des Ernährungsindustrie-Verbandes verfolgt, eine einfache Bewertung von Lebensmitteln zum Schutz der Gesundheit möglichst zu verhindern. Das neue Modell ist kompliziert und nur für denjenigen verständlich, der das Kleingedruckte liest. Genau eine solche Verbraucherverwirrung wollen wir vermeiden und mit einer farblichen Nährwertkennzeichnung nach dem Vorbild des Nutri-Score Kundinnen und Kunden auf einen Blick eine gute Einkaufsentscheidung an der Supermarktkasse ermöglichen“, sagten Ernährungsministerin Ulrike Höfken und Verbraucherschutzministerin Anne Spiegel heute in Mainz. Spiegel hat derzeit den Vorsitz der Verbraucherschutzministerkonferenz (VSMK) inne. 

Das Max-Rubner-Institut (MRI) hat das Modell gestern im Auftrag der Bundesregierung vorgestellt. Der erste Blick auf dieses Modell wirft nur Fragen auf. Wofür stehen die Sterne? Sind die hervorgehobenen Inhaltsstoffe gut oder schlecht zu bewerten? Problematisch sehen Höfken und Spiegel auch, dass nur eine Farbe in unterschiedlichen Schattierungen verwendet wird.

Eine Nährwertkennzeichnung muss aus Sicht der Ministerinnen ganz einfach sein und über eine eindeutige, leicht verständliche Farbskala verfügen. Zudem sei es viel sinnvoller, das bereits in Frankreich, Belgien und Portugal etablierte und vom MRI positiv bewertete Nutri-Score-Modell innerhalb des Binnenmarktes zu nutzen. Auf der gerade laufenden Verbraucherschutzministerkonferenz in Mainz bringen SPD- und Grün-geführte Länder heute einen Antrag ein, der Bundesministerin Julia Klöckner auffordert, eine Nährwertkennzeichnung nach dem Nutri-Score-Modell möglichst schnell umzusetzen.

„Die Situation ist ernst: Etwa 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen sowie mehr als die Hälfte der Erwachsenen wiegen zu viel. Die farbliche Nährwertkennzeichnung ist hier ein zentraler Baustein zur Prävention“, so Höfken weiter. „Das Nutri-Score-Modell wird nicht nur von verschiedenen EU-Ländern, sondern auch von Teilen der Lebensmittelindustrie unterstützt. Die Zeit des Abwartens und Hinauszögerns ist vorbei – jetzt geht es darum zu handeln“, forderten Spiegel und Höfken.

Hintergrund Nutri-Score

Beim Nutri-Score werden verschiedene Bestandteile wie Ballaststoffe oder Proteine verrechnet und das gesamte Lebensmittel anhand einer fünfstufigen Farbskala bewertet.