Start für grenzüberschreitendes Kooperationsprojekt EmiSûre: Gemeinsam Mikroschadstoffe in Gewässern reduzieren

Wie kann Abwasserreinigung mit innovativen und energieeffizienten Verfahren erfolgen? Mit dieser Frage beschäftigt sich das Projekt EmiSûre, das grenzübergreifend Strategien entwickeln will, um Mikroschadstoffeinträge in Gewässer im deutsch-luxemburgischen Grenzgebiet zu verringern. EmiSûre wird im Rahmen des EU-Kooperationsprogramms Interreg V A in der Großregion (Frankreich-Belgien-Deutschland-Luxemburg) als grenzüberschreitendes Gemeinschaftsvorhaben zwischen Rheinland-Pfalz und Luxemburg durchgeführt.

Weitere Partner sind neben den Universitäten in Kaiserslautern und Luxemburg die Luxemburger Abwassersyndikate SIDEN und SIDEST und der saarländische Entsorgerverband EVS. Zudem wird das Projekt durch den Gemeinde- und Städtebund Rheinland-Pfalz und die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) unterstützt.

„In unseren Gewässern werden zunehmend Rückstände von Arzneimitteln, Pflanzenschutzmitteln oder andere Mikroschadstoffe in geringen Konzentrationen nachgewiesen. Wir müssen davon ausgehen, dass diese Schadstoffe auf Mikroorganismen und Fische sowie über die Nahrungskette auch auf Menschen schädliche Auswirkungen haben können“, erklärte Umweltministerin Ulrike Höfken. Ziel des Projektes sei es, neue Strategien und Verfahren zu entwickeln, um die Menge von Mikroschadstoffen in Gewässern zu reduzieren. „Derzeit fehlt es an finanzierbaren und nachhaltigen Technologien zur Entfernung von Mikroschadstoffen für kleine und mittelgroße Kläranlagen“, so Höfken weiter. Diese sollen im Rahmen des EmiSûre-Projektes auf zwei Versuchsanlagen im Einzugsgebiet des deutsch-luxemburgischen Grenzflusses Sauer entwickelt werden. In dem Projekt werden Aufwand und Nutzen von Reinigungstechniken erprobt und bewertet. Wichtige Kriterien zur Beurteilung der Anlagen sind die Leistungsfähigkeit zur Verminderung von Mikroschadstoffen und der Keimbelastung des Wassers, der Energieverbrauch, die Kosten und der Personaleinsatz. Untersucht wird auch der Einsatz naturnaher Verfahren der Abwasserbehandlung. Zudem werden die Ergebnisse aus Projekten zur Vermeidung von Schadstoffeinträgen berücksichtigt.

Die Zusammenhänge sind von besonderer Bedeutung für kleinere bis mittelgroße Kläranlagen, wie sie häufig in der Großregion, gerade in den ländlichen Gebieten von Rheinland-Pfalz, Saarland und Luxemburg, zum Einsatz kommen. „Hier bieten grenzüberschreitende Lösungen erhebliche Vorteile“, betont Wirtschaftsminister Dr. Volker Wissing. Das Wirtschaftsministerium ist zuständig für die drei rheinland-pfälzischen Interreg A-Programme zur Förderung grenzüberschreitender Zusammenarbeit. Der Projektumfang umfasst rund 1,3 Mio. Euro, von denen 60 Prozent mit Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert werden. Der Anteil des Landes Rheinland-Pfalz beträgt rund 211.000 Euro. Die dreijährige Projektlaufzeit startet heute mit einer Sitzung der Projektpartner an der Universität Luxemburg.

Die grenzüberschreitenden Interreg A-Programme sind ein Förderinstrument der Europäischen Union zu Unterstützung europäischer Kooperationsprojekte zwischen benachbarten Mitgliedstaaten und Regionen. In der vergangenen Förderperiode 2007-2013 waren rheinland-pfälzische Einrichtungen an insgesamt fast 100 grenzüberschreitenden Interreg-Projekten aus vielfältigen Themenbereichen beteiligt, zum Beispiel Tourismus, Umweltschutz, Energie, Arbeitsmarkt, Forschung, Gesundheit, Kultur und Sprachenerwerb. In der derzeit laufenden Förderperiode 2014-2020 sind allein in der Großregion aktuell 36 Projekte am Start, davon 28 mit rheinland-pfälzischer Beteiligung. Weitere sind in Planung.