Foto zeigt das Bodenprofil einer Braunerde - aus dem Themenheft Boden - Kompetenzzentrum für Klimawandelfolgen und dem Landesamt für Geologie und Bergbau © Themenheft Boden, MWKEL 2015

© Themenheft Boden, MWKEL 2015

Integration in den Vollzug – Nutzung eines Web-Kartenservers

Mit Rundschreiben vom 08.06.2016 wurde die Bodenfunktionsbewertung auf Grundlage der im LGB-Themenheft "Bodenfunktionsbewertung in der Planungspraxis" dokumentierten Methodik eingeführt. Nähere Informationen hierzu werden auch im Bereich Rundschreiben gegeben. 

Zur Vorgeschichte:
Im Herbst 2012 wurde der Projektstand beider Bundesländer in der Veranstaltung  "Diskussionsforum  zur Bodenfunktionsbewertung für die Raum- und Bauleitplanung" in Mainz vorgestellt. Das Diskussionsforum Bodenfunktionsbewertung hatte das Ziel, Methodik und Kartenprodukte zur Bodenfunktionsbewertung einem  in der Planung tätigen Personenkreis beider Länder vorzustellen sowie deren Praxistauglichkeit und Konsequenzen für den Planungsalltag zu überprüfen und zu diskutieren. 

Das Land Hessen hat diese Bodenfunktionsbewertung im Jahr 2013 in den Vollzug eingeführt. In Rheinland-Pfalz erfolgte zunächst noch eine Validierung der erstellten rheinland-pfälzischen Kartenwerke im Gelände.

Nach Abschluss dieser Validierungsphase wurden die Methoden und Ergebnisse am 12. Juni 2014 in der Veranstaltung "Bodenfunktionsbewertung in der Planungspraxis in Rheinland-Pfalz" präsentiert und fachlich diskutiert. Nach Vorstellung der methodischen Grundlagen und der Kartenwerke zur Bodenfunktionsbewertung erfolgte eine praxisbezogene Anwendung bzw. Überprüfung dieser Instrumente an Planungsbeispielen. Erkenntnisse hierzu wurden in die Veranstaltungsdokumentation eingearbeitet.

Mit der Bereitstellung eines Web-Kartenservers zur flächendeckenden Anzeige der einzelnen Bodenfunktionen sowie einer aggregierten gesamtfunktionalen Bodenbewertung konnte die Qualität der Abwägungsgrundlagen für das Schutzgut Boden ganz wesentlich verbessert werden. Die für bodenbezogene Fragestellungen und Betrachtungen in der Bauleitplanung heranzuziehende Bodenfunktionsbewertung kann der Web-Kartenserver des LGB wird kostenfrei genutzt werden.

Methodik einer Bodenfunktionalen Bodenbewertung

Die entwickelte Bodenfunktionale Bodenbewertung basiert auf aufbereiteten Daten der Bodenschätzung. In der  Veröffentlichung "Großmaßstäbige Bodeninformationen für Hessen und Rheinland-Pfalz - Auswertung von Bodenschätzungsdaten zur Ableitung von Bodenfunktionen und -eigenschaften" erfolgt eine zusammenfassende Darstellung der von Rheinland-Pfalz und Hessen seit einigen Jahren gemeinsam und erfolgreich betriebenen Arbeiten.

Im Rahmen des Projektes wurde arbeitsteilig u.a. eine Methodendatenbank entwickelt, die die Datenstruktur der Bodenschätzung (Automatisierte Liegenschaftskarte ALK und das digitale Feldschätzungsbuch FESCH; Auswertung der Klassenzeichen) direkt verwendet und daraus vielfältige Produkte von analogen und digitalen thematischen Kartenwerken bis hin zu Web-Kartendiensten im Internet generiert.

Die Daten der Bodenschätzung eignen sich für die Herausarbeitung von Kriterien zur Lebensraumfunktion, Funktion als Bestandteil des Naturhaushalts sowie als Abbau-, Ausgleichs- und Aufbaumedium. Die Aspekte der Archivböden bzw. seltenen Böden lassen sich dagegen aus diesem Datenbestand nicht automatisiert auswerten.

Für die Gesamtbewertung werden die Kriterien Standorttypisierung für die Biotopentwicklung, Ertragspotenzial, Bodenwasserspeicherungsvermögen und Nitratrückhaltevermögen zu einer gesamtfunktionalen Bewertung subsummiert und im Anschluss ein fünfstufiger Funktionserfüllungsgrad (sehr gering bis sehr hoch) für den Boden ausgewiesen.

Die ausführliche Dokumentation der entwickelten Methoden wird für Fachleute über die Internetseite des Landesamtes für Geologie und Bergbau angeboten.

Hintergrund - zur Bedeutung der Bodenschätzungsdaten

Bodenschätzungsdaten sind eine in Deutschland flächendeckend vorliegende parzellenscharfe Information zur Bewertung der landwirtschaftlich nutzbaren Böden. Die Bodenschätzung wurde ursprünglich für eine gerechte Besteuerung landwirtschaftlich genutzter Flächen erarbeitet. Sie geht auf Vorarbeiten aus Preußen in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts zurück und führte schließlich 1934 zu dem Gesetz der Reichsbodenschätzung. Die Bodenschätzung war in Deutschland weitgehend vor dem 2. Weltkrieg abgeschlossen, seither werden von den Finanzverwaltungen der Länder die Nachschätzungen auf einheitlicher Basis weitergeführt.

Die Bodenschätzung wurde mit dem Gesetz zur Schätzung des landwirtschaftlichen Kulturbodens (Bodenschätzungsgesetz – BodSchätzG) vom 20. Dezember 2007 im Rahmen des Jahressteuergesetzes 2008 grundlegend novelliert.

Mit der Bodenschätzung wird die natürliche Ertragsfähigkeit der landwirtschaftlich nutzbaren Flächen für die Bewertung des landwirtschaftlichen Vermögens ermittelt. Neben der Ermittlung der Bemessungsgrundlage für verschiedene Steuern (etwa 20 steuerliche Anwendungsgebiete, z.B. Grundsteuer, Einkommensteuer) dienen ihre Ergebnisse auch verschiedenen außersteuerlichen Zwecken (z.B. zur Wertermittlung bei Flurbereinigungsverfahren). Bodenschätzungsergebnisse liegen, abgesehen von Berlin, flächendeckend für die landwirtschaftliche Nutzung aller Bundesländer vor. Die insgesamt erfasste landwirtschaftliche Nutzfläche beträgt etwa 17 Millionen ha. Die Durchführung der Bodenschätzung obliegt der Finanzverwaltung der Bundesländer.

Die Ergebnisse werden somit nicht nur fiskalisch genutzt  zur Wertermittlung und Besteuerung von Flächen, oder allgemein als Bemessungsgrundlage im Grundstücksverkehr, Flächentausch, Kreditwesen, etc.  sondern in der Landwirtschaft zur Beschreibung der Ertragsfähigkeit der Böden oder in der Wissenschaft zur Ableitung einer Vielzahl von bodenkundlichen Parametern (Bodenfeuchte, Verdichtungsempfindlichkeit, ...) oder zur Erstellung von Bodenkarten.

Ansprechpartner

Abteilung Klimaschutz, Umwelttechnologie, Kreislaufwirtschaft
Referat Bodenschutz, Altlasten

Dr. Josef Backes
Kaiser-Friedrich-Str. 1
55116 Mainz
Telefon: 06131 16-4405
Fax: 06131 16-174405
E-Mail: Josef.Backes(at)mueef.rlp.de

 

Landesamt für Geologie und Bergbau

Dr. Stephan Sauer
Emy-Roeder-Straße 5
55116 Mainz
Telefon: 06131 9254275
E-Mail: Stephanus.Sauer(at)lgb-rlp.de

Bodenfunktionsbewertung in Rheinland-Pfalz

Im LGB-Themenheft 1 „Bodenfunktionsbewertung für die Planungspraxis“ ist die Methodik zur Bodenfunktionsbewertung ausführlich beschrieben und dokumentiert. Mit Rundschreiben vom 08.06.2016 wurde diese für den Vollzug des Bodenschutzrechts in Rheinland-Pfalz eingeführt. Nähere Informationen sind im Rundschreiben zu finden.